Inklusion als gelebte Strategie

 

Menschen mit Behinderungen gute Arbeitsplätze am ersten Arbeitsmarkt zu bieten, ist kein Selbstläufer. Es braucht Überzeugung, klare Strukturen – und Menschen, die Verantwortung übernehmen. So wird Inklusion Teil gelebter Unternehmensstrategie.

Stark in der Inklusion 

Die DKB-STIFTUNG gehört mit ihren Unternehmen zu den inklusionsstärksten Arbeitgebern Brandenburgs:

 

  • 22 % der 122 Mitarbeitenden auf Schloss & Gut Liebenberg sind Menschen mit Behinderungen,
  • 51 % im Inklusionsunternehmen DKB STIFTUNG Liebenberg gGmbH und
  • 16 % in den Inklusionsabteilungen der DKB STIFTUNG Schloss Liebenberg GmbH (Bereich Küche und Housekeeping).

 

Damit die Inklusion auch gelingt überlassen wir nichts dem Zufall. 

 

„Alles, was wir unternehmen, hat System“, sagt unsere Inklusionsbeauftragte Kristin Meißner. „Alles erfolgt individuell mit den behinderten Menschen und im Dialog.“ Doch wie funktioniert dieses „System“? Bereits im Bewerbungsprozess wird geprüft:

 

  • Passt die Tätigkeit fachlich und gesundheitlich?
  • Welche Rahmenbedingungen sind nötig, damit die Person langfristig stabil arbeiten kann?
Zwei Mitarbeiterinnen stehen in der Küche von Schloss & Gut Liebenberg nebeneinander und schauen in die Kamera.
Seite an Seite: Damit die Arbeit der Menschen mit und ohne Behinderung gut läuft, ist die Inklusion fest in der Unternehmensstrategie verankert. Hier die Schwerbehindertenvertreterin des Hotels Karin Lottmann (l.) und Manuela Eckfeld.

Flexible Anpassung an den Menschen


„Die Auswahl erfolgt immer stärkenorientiert und mit einem realistischen Blick auf Belastungsfaktoren“, erklärt die Fachfrau, „so werden nachhaltige Beschäftigungsverhältnisse geschaffen.“


Der Einstieg in die jeweilige Beschäftigung ist bewusst persönlich gestaltet. Neben einem „ganzheitlichen, warmen Willkommen“ prüfen wir Arbeitsplätze gemeinsam mit der Inklusionsbeauftragten, den Führungskräften und dem Personal:

 

  • Ist die Ausstattung passend?
  • Können Hilfsmittel beantragt werden?
  • Gibt es Fördermöglichkeiten? Welche individuellen Bedarfe bestehen?

 


Und dabei bleibt es nicht. „Entscheidend ist die kontinuierliche Begleitung während des gesamten Mitarbeiterlebenszyklus“, so Kristin Meißner. Regelmäßige Checks im Arbeitsumfeld klären etwa, ob der Stuhl ergonomisch ist, eine andere Tastatur benötigt wird, es spezielles Handwerkzeug braucht – und ob es im Team funktioniert.

 

 

Gute Kommunikation ist essentiell


„Wenn die Kollegen gut untereinander kommunizieren, ist das die halbe Miete“, sagt die Inklusionsbeauftragte. Kommunikation sei ein elementar wichtiger Schlüssel – besonders im Team mit gehörlosen Mitarbeitenden. Die doppelte Herausforderung: Sprache und Kultur unterscheiden sich. „Gebärdensprache ist nicht nur eine andere Form der Verständigung, sie bringt eigene Ausdrucksformen und Kommunikationsmuster mit sich“, so Kristin Meißner. „Missverständnisse entstehen schnell.“

 


In der Stiftung investieren wir deshalb bewusst in den Abbau von Barrieren: Es gibt Gebärdensprachkurse für hörende Kolleg*innen, Dolmetscher*innen bei Teammeetings (gefördert durch das Landesamt für Soziales und Versorgung), optische Kommunikationssignale im Arbeitsalltag. Besonders wirksam: das „Gebärdensprachfrühstück“. Eine Stunde lang darf nur gebärdet werden – ein echter Perspektivwechsel für die hörenden Mitarbeitenden. Kristin sagt: „Inklusion wird so zur gemeinsamen Lernbewegung – nicht zur Einbahnstraße.“

 

 

Basis ist unsere Inklusionsvereinbarung


Das alles entstand nicht im luftleeren Raum. Seit 2021 arbeiten wir auf Basis einer verbindlichen Inklusionsvereinbarung, die alle zwei Jahre mit angepassten Zielen fortgeschrieben wird. Darin sind konkrete Maßnahmen definiert und werden jährlich evaluiert, etwa Informationsmaterialien in leichter Sprache, die Nutzung gesundheitsfördernder Angebote, Brandschutzkonzepte für gehörlose Mitarbeitende und strukturelle Verbesserungen in Arbeitsprozessen.

 


„Die Vereinbarung gibt uns einen verbindlichen Rahmen“, erklärt Katrin Börner, Personalleiterin mit dem Wirkungsfeld Inklusion. „Aber entscheidend ist, dass wir sie aktiv weiterentwickeln und nicht nur verwalten.“ Konkret wurden 2025 etwa ergonomische Sattelstühle angeschafft, Führungskräfte gecoacht und eine Weiterbildung durchgeführt.

 

 

Barrieren werden zuerst im Kopf abgebaut


Wichtig ist uns, dass Inklusion nicht nur intern gelebt wird, sondern auch nach außen die Perspektiven auf Behinderungen verändert. In Handwerks- und Bildungsformaten fertigen etwa Schulklassen oder Gäste gemeinsam mit gehörlosen Tischlern Schneidebretter oder Leuchtkästen an. Anfangs bestehen Zweifel: Können wir von gehörlosen Handwerkern wirklich etwas lernen? Im Prozess wandelt sich schließlich die Wahrnehmung – und die Fachlichkeit überzeugt, Zusammenarbeit entsteht, Vorurteile lösen sich auf. Katrin: „Das ist Barrierenabbau im Kopf – in Echtzeit.“

 


Von Krippe-Kindern bis zu Seniorengruppen erleben Besucherinnen und Besucher: „Es geht nicht um die Frage, wer welche Behinderung hat. Sondern darum, wer was braucht, um seine Leistung optimal einbringen zu können. Das gilt für alle Mitarbeitenden gleichermaßen“, sagt Katrin Börner. Diversität sei bei der Stiftung eine Kulturfrage. „Man achtet aufeinander, man spricht miteinander, man sieht den Menschen.“

 

 

Inklusion wollen wir noch stärker mit Führung verknüpfen


Was aber nicht heißt, dass man bereits am Ziel angekommen ist. „Inklusion soll künftig noch stärker mit Produktivität und Führung verknüpft werden“, sagt die Personalleiterin. „Klar definierte Tätigkeiten, stärkenorientierter Einsatz und gut qualifizierte Führungskräfte sind die zentralen Hebel.“ Auch neue Formen wie Außenarbeitsplätze einer Werkstatt für behinderte Menschen werden geprüft – nicht als Parallelwelt, sondern als Brücke in den durchlässigen Arbeitsmarkt.


Bei so viel Engagement ist es von hohem Nutzen, dass die Stiftung ihre Erfahrungen zudem in die Landesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsfirmen Brandenburg einbringt. Als gewählte Sprecher engagieren sich Katrin Börner und unser Stiftungsvorstand Axel Kasterich für tragfähige Finanzierungsmodelle, Bürokratieabbau und stärkere Recruiting-Netzwerke. Das Ziel: landesweit mehr dauerhafte, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für Menschen mit Schwerbehinderung im allgemeinen Arbeitsmarkt zu schaffen.

 


Wer Kristin Meißner und Katrin Börner zuhört, versteht: Inklusion ist hier kein Projekt, sondern eine Haltung, die Struktur braucht. Und die Teil einer langfristigen Unternehmensstrategie ist, geprägt von einem zentralen, einfachen Leitgedanken: „Nicht die Einschränkung steht im Mittelpunkt“, fasst Kristin Meißner zusammen, „sondern die Fähigkeit jedes Menschen, einen wertvollen Beitrag zu leisten.“


 

Der Artikel „Inklusion als gelebte Strategie“ ist im Nachhaltigkeitsbericht 2025 erschienen.

Den vollständigen Bericht lesen Sie hier.