Gnewikow – ein Jugenddorf bietet Zuflucht! 

Viele Familien, Kinder und Jugendliche flohen bereits vor Krieg und Gewalt aus der Ukraine. Wir sind zutiefst erschüttert über diesen Krieg und möchten den betroffenen Menschen unsere Anteilnahme und tiefes Mitgefühl ausdrücken. Unser Jugenddorf Gnewikow bot den Geflüchteten eine erste Zuflucht und damit einen eigenen Raum, um zur Ruhe zu kommen. Nicht zum ersten Mal nahm das Jugenddorf seine Verantwortung wahr, denn bereits 2015/2016 wurden die Unterkünfte während der Flüchtlingswelle zur Verfügung gestellt.

 

Vielen Dank für Ihre Spenden und Ihre Solidarität!

Leistungen des Jugenddorfes 

 

  • Unterkunft für durchschnittlich ca. 300 Geflüchtete im Jugenddorf Gnewikow
  • Zusätzliche Verpflegungsleistung und Getränkeangebote
  • Dinge des täglichen Bedarfs
  • erhöhter Arbeitsaufwand im Bereich Reinigung und zusätzliche Breitstellung von Toilettenartikel, Handtüchern und Bettzeug
  • zusätzlich benötigte Ausstattung auf Grund der außergewöhnlichen Nutzungssituation z.B. Kauf von Geschirr,
    Ausstattung für Spiel und Aufenthaltsräume)
  • Angebote für Kinder

 

 

Ich wünsche mir, dass Frieden in unserem Land herrscht

 

Auch Tatjana (38) floh mit ihrer Familie aus der Ukraine. Mit ihrem Mann Taras (38) und ihren Kindern, dem sechsjährigen unter Autismus leidenden Mstislav, dem dreijährigen Miroslav und ihrer kleinen eineinhalbjährigen Tochter Melaniya, verließ sie zu Kriegsbeginn die Hauptstadt Kiew und kam zunächst bei ihren Schwiegereltern auf dem Land unter. Als die Lage auch dort gefährlicher wurde, floh die Familie mit Hilfe von Bekannten nach Deutschland.

 

„Die Unruhen im Land nahmen zu und wir hörten täglich die Flugzeuge und Raketeneinschläge. Meine Kinder haben vor lauter Angst und Panik nur noch geweint. Vor allem Mstislav, der viel Ruhe braucht und Reize von außen kaum ausblenden kann, ließ sich nicht mehr beruhigen. Ich bin so froh hier im Jugenddorf Gnewikow einen sicheren Ort für unsere Familie gefunden zu haben. Ich möchte mich bei allen Mitarbeiter*innen und freiwilligen Helfer*innen für alles bedanken, was hier für uns getan wird.

 

Für die Zukunft wünsche ich mir aber nur eines: dass Frieden in unserem Land herrscht.“

Von 0 auf 100 – Im Interview mit Geschäftsführer Dietmar Schwenke 

 

Der Geschäftsführer der DKB STIFTUNG Jugenddörfer gGmbH, Dietmar Schwenke, gewährte uns im Frühjahr 2022 einen Einblick in die Lage im Jugenddorf Gnewikow und beschrieb die Zusammenarbeit mit dem Landkreis, den Mitarbeitenden und vielen Freiwilligen. Auch erzählte er, wie sich die Erfahrungen der letzten Flüchtlingswelle positiv auf die Situation auswirkte und was es für Unterschiede gab.

 

Zur Spendenaktion

Herr Schwenke, seit einigen Wochen steht das Jugenddorf Gnewikow bereits als erste Zuflucht für Geflüchtete zur Verfügung. Sie haben sehr schnell gehandelt und den Betrieb von 0 auf 100 gefahren. Das ist eine bemerkenswerte Leistung. War die Schnelligkeit ihren Erfahrung der letzten Flüchtlingswelle geschuldet?

Ja, durch die Krisen 2015 und 2020 in denen das Jugenddorf bereits als Zufluchtsort Hilfe leistete, sind wir strukturell gut aufgestellt und in der Region vernetzt. Die Erfahrungen in der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Instanzen – also dem Jugenddorf, den Vereinen, Behörden und Hilfsorganisationen – sind hilfreich und fördern das sehr gute Zusammenspiel. Bedarfe werden schnell weiter kommuniziert und zum Teil auch unbürokratisch gelöst. Zudem erfahren wir viel Engagement aus der Bevölkerung und die Akzeptanz und Hilfsbereitschaft sind ungewöhnlich hoch.

Wie genau sieht denn dieses Zusammenspiel aus?

Der Landkreis ist verantwortlich die Grundversorgung der Geflüchteten sicher zu stellen. Er gewährt Leistungen, sorgt für Unterkunft oder Mietkostenübernahme, Zugang zu medizinischer Versorgung oder Hilfe bei akuten Notsituationen oder in Härtefällen. Unser Jugenddorf stellt die Infrastruktur und Gästezimmer, die normalerweise für Kinder- und Jugendfahrten genutzt werden, für die Geflüchteten zur Verfügung und bietet im Rahmen der Unterbringung auch die Vollverpflegung an. Die Mitarbeitenden des Landkreises organisieren hier im Jugenddorf Gnewikow die Aufnahme, Registrierung und Zimmerverteilung der Geflüchteten und kümmern sich um die Organisation der medizinischen Versorgung und den Wachschutz. Aber über diese Grundversorgung geht es weit hinaus. Unbürokratisch und schnell waren sofort und sind täglich ehrenamtliche Helfer vor Ort, die mit anpackten z.B. beim Sortieren der Sachspenden oder um fehlende Dinge zu organisieren. Inzwischen helfen uns auch viele Volunteere der DKB die täglichen Aufgaben zu bewältigen. Dafür sind wir sehr dankbar!

Die Unterkünfte sind voll belegt. Wie viele Geflüchtete beherbergt das Jugenddorf denn aktuell?

Aktuell sind circa 320 Menschen in Gnewikow. Durch die Nicht-Präsenzpflicht für die Geflüchteten aus der Ukraine variiert es immer etwas, da viele von ihnen nach einigen Tagen weiterreisen, z.B. zu Bekannten und Verwandten oder in andere Städte. Aktuell sind die Zahlen der flüchtenden Menschen nicht valide und unüberschaubar. Es werden deutlich mehr Menschen die Ukraine verlassen als zunächst angenommen. Der Landkreis braucht dringend die Möglichkeit weiterhin auch unseren Wohnraum nutzen zu können.

Haben Sie deswegen die gebuchten Jugendfahrten abgesagt?

Ja. Schweren Herzens haben wir die Entscheidung getroffen, die gebuchten Klassen- und Jugendfahrten bis Mitte des Jahres abzusagen. Diese Entscheidung ist uns wirklich nicht leichtgefallen, auch weil uns bewusst ist, dass gerade die Kinder und Jugendlichen in den vergangenen zwei Jahren durch die Pandemie auf diese Art der Gemeinschaftserlebnisse verzichten mussten. Anderseits gibt es eine starke Dynamik in den Ereignissen im Jugenddorf Gnewikow. Wir haben dem Landkreis also signalisiert, dass er das Jugenddorf nutzen kann. Wir wussten genau, Anfang März steht das Haus auf Grund der Charakteristik unseres Geschäftsverlaufes leer. Schnell war jedoch klar der Landkreis braucht das Objekt noch länger. Ab Mai soll der noch ungenutzte kommunale Wohnraum im Landkreis aufbereitet sein und auch eine Containerlösung bereitstehen. Mit unseren Unterkünften bieten bis Ende Juni eine Übergangslösung an. 

Wie gestaltet sich ein Tag im Jugenddorf für die untergebrachten Menschen?

Einen richtig strukturierten Alltag gibt es nicht. Zwischen den Mahlzeiten kümmern sich die Erwachsenen um Dinge des täglichen Bedarfs. Sie suchen z.B. Kleidung aus der Kleiderkammer, waschen Wäsche oder besorgen sich Notwendiges in unserem „Dorfladen“ (z.B. gespendete Hygieneartikel etc.). Einige Menschen fahren mit den Bussen, die direkt vor dem Jugenddorf abfahren, in die nächstgrößere Stadt Neuruppin, um kleinere Besorgungen zu machen. Andere bieten ihre Hilfe an und wollen mitarbeiten z.B. in der Küche, im Speisesaal oder bei Hausmeistertätigkeiten.

 

Für viele nimmt die Kommunikation in die Heimat viel Zeit in Anspruch. Im Jugenddorf haben sie meistens erstmals wieder freies WLAN zur Verfügung. Für sie ist es Fluch und Segen zugleich. Zum einen ist es wichtig, um den Kontakt mit Familie und Freunden zu sichern und um Informationen über die aktuelle Lage im Heimatland zu erhalten. Zum anderen mischen sich aber auch immer wieder traurige Nachrichten unter die Mitteilungen. Ich erinnere mich z.B. an einen Mann, der über WhatsApp Bilder seines zerstörten Hauses erhielt. Die Kinder spielen in der Zwischenzeit. Wir haben einige Spielzeuge gespendet bekommen. Ein Verein vor Ort bietet jeden Tag ein kleines Beschäftigungsprogramm mit Spielen, Malen, Singen und Bewegung für die Kinder aber auch Deutschkurse.

Wie können wir uns die Stimmung im Jugenddorf vorstellen? Ist es still oder ganz hektisch?

Im Jugenddorf selbst ist es ruhig und entspannt. Obwohl jetzt viele Menschen hier sind und auf dem Gelände unterwegs sind. Auch bei den An- und Abreisen ist es eher ruhig und organisiert. Wenn man von außen auf das Jugenddorf in Gnewikow schaut und nicht wüsste, wer bei uns zu Gast ist, würde man Menschen sehen, die mit einem normalen Rollkoffer anreisen, oder andere die mit ihrem Gepäck in den Bus steigen und wieder abreisen. Wenn man aber weiß, woher sie kommen und dass in diesem Koffer alles enthalten ist, was sie aktuell besitzen und sie die nächsten Monate, vielleicht Jahre in Ungewissheit leben, ist es mehr als bedrückend.

Viele Menschen haben sehr viel Mitgefühl mit den Betroffenen, engagieren sich bereits selbst oder wollen unterstützen. Welche Maßnahmen helfen dem Jugenddorf und den Geflüchteten?

In den ersten Wochen hat die sehr große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung und die weitgehend gut strukturierte Arbeit der Mitarbeiter des Landkreises unsere Arbeit erleichtert. Geld-, Sach- und Lebensmittelspenden werden weiterhin dankend angenommen und die Hilfsangebote aller Freiwilligen sind sehr hilfreich.